1. KOHLENDIOXID, BIOMASSE, KLIMA  (Juni 2020; 27)


Einführung

Klima hat einen Zusammenhang mit Kohlendioxid, einer chemischen Verbindung. Klima ist also ein chemisches Problem. Dafür gibt es eine chemische Lösung. 
Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigem Material. Umgekehrt wird es beim Wachstum der Pflanzen konsumiert. 
Die Konzentration von Kohlendioxid in der Lufthülle soll nicht weiter steigen, deshalb soll seine Erzeugung finanziell belastet werden. Wenn das geschieht, muss man den Konsum von Kohlendioxid im Gegenzug vergüten.

Vorgeschichte

Schon 1896 wies der schwedische Chemiker Svante Arrhenius (Nobelpreis für Chemie 1903) auf den Einfluss von Kohlensäure  (= Kohlendioxid) auf die Bodentemperatur hin.
Er sah die Erwärmung der Erde allerdings positiv: die Gefahr einer neuen Eiszeit sinkt, die Lebensbedingungen in den kälteren Klimazonen verbessern sich, es entstehen zusätzliche Anbauflächen für die Ernährung der Bevölkerung.

Die Reaktion von Kohlendioxid zu Biomasse in grünen Pflanzen (Chlorophyll) unter Einwirkung von Licht und unter Freisetzung von Sauerstoff wurde von den deutschen Chemikern A. von Baeyer (Nobelpreis für Chemie 1905) und Richard Willstätter (Nobelpreis für Chemie 1915) aufgeklärt.

Die wissenschaftlichen Grundlagen zum Thema: Kohlendioxid, Biomasse, Klima wurden also schon vor 100 Jahren gelegt.

 
Strahlungsbilanz

Die von der Sonne auf die Erde eingestrahlte Energie (Ultraviolett, sichtbares Licht, Infrarot) muss von der Erde wieder in den Weltraum zurückgeführt werden, sonst erhöht sich die Temperatur der Erde. Dies geschieht durch langwellige Infrarotstrahlung, die allerdings durch in der Atmosphäre enthaltene Stoffe wie Wasserdampf, Methan oder Kohlendioxid gedämpft wird. Die Mengen an Methan in der Lufthülle sind relativ gering. Der Wasserbestand der Erde ist konstant, bei Kohlendioxid hat man in den letzten Jahrzehnten jedoch einen Anstieg um 1,7 ppm (parts per million) pro Jahr auf heute 400 ppm festgestellt. Zwischen der Durchschnittstemperatur der Lufthülle und deren Kohlendioxidkonzentration besteht eine positive Korrelation: mehr Kohlendioxid, höhere Temperatur, weniger Kohlendioxid, niedrigere Temperatur.


Kohlendioxidbilanz, Kohlenstoffkreislauf

Der Kohlenstoffkreislauf der Erde wird üblicherweise in Kohlenstoffeinheiten der beteiligten chemischen Verbindungen dargestellt, dabei gelten folgende Relationen, gegeben durch die Atom-/Formel- bzw. Molekulargewichte:

Kohlenstoff = 12, Erdöl = 14, Methan = 16, Biomasse = 30, Kohlendioxid = 44.


Kohlendioxid-Kreislauf


                 CO2-Bilanz der Erde in Gt (Gigatonnen = Milliarden Tonnen)                                                                                                                        

Für den Kohlendioxidgehalt der Erde sind zwei gegenläufige chemische Reaktionen verantwortlich: die Verbrennung bzw. Verwesung von organischem Material einerseits und die Bildung von Biomasse (Zucker, Stärke, Cellulose) aus Kohlendioxid durch Photosynthese andrerseits. Diese beiden Vorgänge sind an sich im Gleichgewicht: durch Verbrennung und Verwesung werden der Lufthülle jährlich 400 Gigatonnen  (=400 Milliarden Tonnen) Kohlendioxid zugeführt, durch die Photosynthese werden der Lufthülle 400 Gigatonnen Kohlendioxid entzogen. Aber in diese Bilanz greifen 35 Gigatonnen Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen ein. Diese Brennstoffe sind aus Biomasse vor Jahrmillionen gebildet worden. Diese 35 Gigatonnen erhöhen die Konzentration in der Lufthülle rechnerisch um 5 ppm jährlich. Die gemessene Erhöhung seit 2000 beträgt allerdings nur 2 ppm pro Jahr, was auf eine höhere Kohlendioxidsenke schließen läßt. 
Die Lufthülle der Erde enthält 2750 Gigatonnen Kohlendioxid. Jährlich werden 400 Gigatonnen ausgetauscht. Damit ist die mittlere Verweildauer des in die Lufthülle eingetragenen Kohlendioxids 6,8 Jahre.

 
Gegensteuerung

Wenn man diesem Anstieg gegensteuern will, gibt es zwei Möglichkeiten:

entweder weniger fossile Stoffe verbrennen (Kohle, Erdöl, Erdgas)
oder die Photosynthese erhöhen.

Für die erste Möglichkeit gibt es zahlreiche Vorschläge:


Sonnenenergie direkt nutzen: (Solarkraftwerke, Photovoltaik, Windkraftanlagen, Wasserkraft, oberflächennahe Wärmepumpen); Kernenergie nutzen (Kernkraftwerke und Wärmepumpen aus tieferen Erdschichten). Ferner werden zahlreiche administrative Maßnahmen erwogen: Kohlekraftwerke stilllegen, Verbrauchslimitierung bei PKW (3-Literauto), gänzliche Abschaffung von Verbrennungsmotoren, Kontingentierung von Flugreisen.

Die zweite Möglichkeit wird noch wenig diskutiert: Erhöhung der Photosynthese von 400 Gigatonnen Kohlendioxidverbrauch jährlich auf 435 Gigatonnen. Die Photosynthese ist die mächtigste Kohlendioxidsenke, andere Methoden wie CCS (Carbon Capture Storing) leisten weniger.  Im  Kyotoprotokoll wird auf den Wald als  Kohlendioxidsenke eingegangen, jedoch wird vorhandener Wald und Wald durch Aufforstung unterschiedlich bewertet (Artikel 3.4). Dies ist eine ziemlich fragwürdige Unterscheidung, Schließlich ist es für die Atmosphäre unerheblich, ob ihr Kohlendioxid aus vorhandenem oder neu angepflanztem Wald entzogen wird.

 
 
Photosynthese

Die Photosynthese ist die Umkehrung des Verbrennungsvorgangs.

Verbrennung:  Biomasse + Sauerstoff   ergibt   Kohlendioxid + Wasser + Wärme
Photosynthese:  Kohlendioxid + Wasser + Sonnenlicht   ergibt   Biomasse und Sauerstoff.

Formelgleichung:    (CHOH)n + O2  <--------> CO2 +H2O

Das obige Gleichgewicht verschiebt sich gemäß Massenwirkungsgesetz nach links, wenn die Menge an Kohlendioxid auf der rechten Seite der Gleichung steigt; es wird mehr Biomasse erzeugt. Für die Einhaltung des Gleichgewichts ist die Gegenwart von Mineralstoffen (z.B. Phosphor) erforderlich, wie eine internationale Forschergruppe für die Region Amazonas gezeigt hat.  

35 Gigatonnen Kohlendioxid aus der Verbrennung von fossilen Stoffen ergeben durch Photosynthese 24 Gigatonnen Biomasse. Diese Mehrproduktion muss durch Holz, Baumwolle, sowie durch Energiepflanzen (Soja, Mais, Raps) erbracht werden. Dies erfordert zusätzliche Agrarflächen oder eine Ertragssteigerung von 8%.

Aus der weltweiten Jahresproduktion Biomasse von 272 Gigatonnen (aus 400 Gigatonnen Kohlendioxid) errechnet sich ein Hektarertrag von 27 Tonnen, bezogen auf 100 Millionen Quadratkilometer urbares Land weltweit.

Der jährliche Flächenertrag im Alpenvorland in Tonnen pro Hektar (ha) ist wie folgt: Fichte 7; Sojaöl 4; Körnermais 10; Getreide 9.                      

Mais wird zu Ethanol vergoren und dem Benzin zugemischt. Sojaöl wird zu Biodiesel verarbeitet und herkömmlichen Dieselkraftstoff und Heizöl zugemischt. Organische Abfälle werden zu Methan vergoren, dieses wird in die Erdgasversorgung eingespeist. In allen Fällen werden fossile Brennstoffe eingespart und durch „erneuerbare Energie“ ersetzt. Bei der Verbrennung von Biomasse entsteht zwar ebenfalls Kohlendioxid, doch diese Mengen gelten als klimaneutral, da sie zeitnah aus Kohlendioxid erzeugt wurden.
Die Steigerung der Flächenerträge für Energiepflanzen ist übrigens eine lohnende Aufgabe für die Grüne Gentechnik.

 
Fazit

Stellt man die beiden Möglichkeiten zur Stabilisierung des Kohlendioxidgehalts der Lufthülle gegeneinander, so erscheint es leichter, die Photosynthese um 8% zu steigern, statt den Verbrauch von fossilen Brennstoffen um 100% zu reduzieren. Die beiden Methoden können nebeneinander angewandt werden. In beiden Fällen muss die Weltgemeinschaft (200 Staaten) mitmachen. Die Möglichkeiten und die Einstellung der einzelnen Länder gehen allerdings auseinander. Es wurden für jedes Land Reduktionsziele vereinbart, deren Verfehlung aber nicht sanktioniert wird, sodass die Ziele letztlich unverbindlich sind. Man kann hier keine besseren Ergebnisse erwarten als bei den Verschuldungsgrenzen der Eurozone, die auch nur von der Hälfte der Mitglieder eingehalten werden.

Bei der Photosynthese funktioniert die Kontrolle besser. Die Erzeugung von Energiepflanzen kann über die Ernteerträge ermittelt werden. Die Menge von Kohle, Erdöl und Erdgas, die nach wie vor verbrannt wird, kann ebenso bei der Förderung erfasst werden und muss nicht umständlich durch viele Einzeldaten auf der Verbraucherseite ermittelt werden.

Die Förderung von fossilen Brennstoffen kann durch Abgaben belastet werden, die Erzeugung von Energiepflanzen kann in gleicher Höhe subventioniert werden. Wenn beide Methoden gleichzeitig angewandt werden, saldieren sich die Beträge und es entstehen für die Verbraucher keine zusätzlichen Belastungen.

Alternativ zu Abgaben und Steuern wird vor allem von volkswirtschaftlicher Seite die Einführung von „Verschmutzungszertifikaten“ vorgeschlagen. Diese Zertifikate werden wie Aktien an einer Börse gehandelt. Wer Kohlendioxid emittiert, muss Zertifikate kaufen. Wer Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnimmt, erhält Zertifikate und kann diese verkaufen

  Reduktionsziele für Deutschland

Für Deutschland sind folgende Emissionsobergrenzen für Kohlendioxid festgelegt worden:
Ist 1990: 1052 Millionen Tonnen
Ist 2018:   741 Millionen Tonnen

Ziel 2020: 634 Millionen Tonnen; entspricht 60% von 1990
Ziel 2030: 474 Millionen Tonnen; entspricht 45% von 1990
Ziel 2040: 315 Millionen Tonnen; entspricht 30% von 1990

Ziel 2050: 210 Millionen Tonnen; entspricht 20% von 1990

In den vergangenen 12 Jahren hat sich der Kohlendioxidausstoß Deutschlands kaum geändert. Deshalb ist fraglich, ob die genannten Obergrenzen in den nächsten 12 Jahren (bis 2030) eingehalten werden können. Von 2018 bis 2030 müssen 267 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, das sind 22 Millionen Tonnen pro Jahr. Anstelle der Einsparung kann auch die gleiche Menge der Lufthülle entzogen werden. Dabei würden durch Photosynthese 15 Millionen Tonnen Biomasse erzeugt.

Dafür ist eine Ertragssteigerung von 8 % der vorhandenen Anbaufläche oder eine zusätzliche Anbaufläche von 24.000 Quadratkilometer erforderlich. Es wird jedoch berichtet, dass in den letzten Jahren die Biomasseproduktion ohnehin um  ca. 5% angestiegen ist. Ein Absinken der CO2-Konzentration in der Lufthülle ist aber nicht beobachtet worden. Das kann viele Gründe haben, aber man muss auf alle Fälle unterscheiden, dass nur langlebige Biomasse zur Absenkung führt (Holz) . Kurzlebige Biomasse (Gras) wird in der gleichen Vegetationsperiode wieder als Kohlendioxid in den Kreislauf eingespeist. 

Für energetische Betrachtungen ist zu beachten, dass Biomasse  nur die Hälfte des Energieinhalts von fossilen Brennstoffen hat. Ein Zertifikat für eine Tonne Kohlendioxid wird zurzeit mit 40 € gehandelt. Dies entspräche einem Ertrag von    600 € / Hektar und Jahr, wenn man einen Hektarertrag von 10 Tonnen Biomasse (entspricht 15 Tonnen Kohlendioxid) unterstellt.

Generell ist festzuhalten: 1 Tonne Fossiler Brennstoff muss durch 2 Tonnen Biomasse ersetzt werden, die durch den Verbrauch von 3 Tonnen Kohlendioxid erzeugt werden.


Kohlendioxidbilanz für Deutschland und die Welt

Die Kohlendioxidbilanz für Deutschland zeigt einen Verbrauch von 270 Millionen Tonnen Fossile Energieträger jährlich, die einen Eintrag in die Lufthülle von 850 Millionen Tonnen Kohlendioxid bedeuten. Dem steht eine Senke durch die Photosynthese von 179 Millionen Tonnen Kohlendioxid entgegen, wenn man für die Waldfläche von Deutschland (114.000 Quadratkilometer) einen Konsum von 
15 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar ansetzt.  

Die Förderung von 1 Tonne Fossilem Brennstoff (Kohle, Öl, Gas) setzt den Erwerb von 3 Kohlendioxid-Zertifikaten voraus. Die Erzeugung von 2 Tonnen Biomasse wird mit 3 Zertifikaten belohnt. Bei dem gegenwertigen Preis von 40 € / Zertifikat wird also die Tonne Fossiler Brennstoff um 120 € belastet, die Tonne Biomasse um 60 € entlastet. Der Zertifikatspreis wird an einer Börse gehandelt. Steigt der Preis, wird die Lenkungswirkung erhöht.

Der Weltkonsum von fossilen Brennstoffen beträgt 11 Gigatonnen. Diese ergeben bei der Verbrennung 35 Gigatonnen Kohlendioxid pro Jahr. Durch Photosynthese konsumiert der gesamte Wald der Welt (40 Millionen Quadratkilometer) 60 Gigatonnen Kohlendioxid.


 Lokale Verhältnisse z.B.: Söchtenau

(Daten aus Energiekonzept Gemeinde Söchtenau 2013)

A: Summe Verbrauch an fossilen Brennstoffen = Erzeugung von Kohlendioxid

Jährlich werden in Söchtenau folgende Mengen an FET (Fossile Energieträger) eingesetzt:          
Erdgas – 560 t; Benzin/Diesel – 2.600 t; Heizöl – 1.300 t; insgesamt – 4.400 t.
Diese Menge erzeugt bei der Verbrennung 13.800 t Kohlendioxid. Bei einen gegenwärtigen Zertifikatspreis von 40 €/t Kohlendioxid ergibt dies eine Belastung von 550.000 €/a. 

 B: Summe Erzeugung von Biomasse für Brennstoffe = Konsum von Kohlendioxid

Die Gemeinde Söchtenau erstreckt sich auf eine Fläche von 2.563 ha, 2.100 ha werden landwirtschaftlich genutzt: Grünland 1000 ha; Äcker 400 ha; Wald 700 ha. Bei einem Hektarertrag von 10 Tonnen ergibt dies einen Ertrag von 21.000 Tonnen Biomasse/Jahr. Bei der Biomasse muss man unterscheiden, ob kurzlebige (weniger als 1 Jahr – Typ K) oder langlebige Biomasse (einige Jahrzehnte – Typ L) gemeint ist. Ferner ist zu beachten, ob die erzeugte Biomasse Fossile Energieträger substituiert (Typ E). Typ L und E zählen als Kohlendioxid-senke. In Söchtenau zählen ca. 50% zu Typ L und E, das sind 10.500 t Biomasse. Diese Menge hat 15.500 t Kohlendioxid aus der Lufthülle entnommen; dafür werden 620.000 € an Zertifikaten zugeteilt.    

Deutschland hat sich zur Reduktion des Kohlendioxidausstoßes bis 2030 von 45% des Wertes von 1990 verpflichtet. Dieser Wert würde für die Gemeinde Söchtenau bei 6.200 t liegen und würde unter Berücksichtigung von 15.500 t Kohlendioxidkonsum um 9.000 t unterschritten. Die Gemeinde Söchtenau ist also heute schon mehr als klimaneutral . Der Eintrag von Kohlendioxid in die Atmosphäre wird durch die Bindung von  Kohlendioxid als Biomasse überkompensiert.

Ein zusätzliches Potential ist in der energetischen Verwertung von Gülle gegeben. Hier wird kurzfristige Biomasse (Biomasse K: Gras) durch Vergärung von Gülle zu Biogas (Biomasse E) umgewandelt. Das Biogas speist ein  Blockkraftwerk und erzeugt Elektrischen Strom.
In der Gemeinde gibt es 4.000 Kühe, die insgesamt 75.000 Kubikmeter Gülle pro Jahr erzeugen mit einem Feststoffgehalt von 7.500 Tonnen. Damit würden 11.000 Tonnen Kohlendioxid aus fossilen Quellen eingespart. Ein positiver Nebeneffekt der Güllevergärung ist die Verringerung von Geruchsbelästigungen beim Austrag auf die Felder.
Auch die direkte energetische Verwertung von Gras oder Mais ist möglich. Als Silage kann Gras oder Mais in eine Biogasanlage eingebracht werden. 

Die Kohlendioxidbilanz von Söchtenau würde sich bei der energetischen Verwertung der Gülle folgendermaßen darstellen:
Erzeugung aus fossilen Quellen: +13.800 t;
Konsum als Biomasse L und E:  -16.800 t;
Konsum durch Biogas: -11.000 t;

 Der Saldo von 14.000 t würde mit 560.000 € vergütet.

Kohlendioxid-Kreislauf Söchtenau


                                 CO2- Bilanz von Söchtenau




Um weitere Potentiale auszuschöpfen (Restholz, Grünmüll), müsste im Gemeindegebiet von Söchtenau eine Hackschnitzel-anlage und eine Biogas-anlage gebaut werden. In der Hackschnitzel-anlage wird alles Restholz und Abfallholz der Gemeinde verbrannt, in der Biogas-anlage wird alle Gülle und Grünmüll der Gemeinde zu Biogas vergoren. In beiden Fällen wird elektrischer Strom erzeugt und in  das Stromnetz eingespeist. Mit diesen Maßnahmen wäre die Gemeinde Söchtenau nicht nur klimaneutral, sondern sogar CO2-negativ, da mehr Kohlendioxid aus der Lufthülle entnommen als eingetragen wird.

Es fällt auch noch eine größere Menge an Heißwasser (60°C) an. Die Verwertung zur Beheizung und Warmwasserversorgung der Gebäude im Gemeindegebiet ist allerdings wegen der großen Ausdehnung der Gemeinde schwierig. Eher möglich erscheint die Beheizung eines Treibhauses am Standort der Biogas- bzw Hackschnitzelanlage. Auch das bei Windkraft und Photovoltaik existierende Problem der Energiespeicherung kann durch eine ausreichend dimensionierte Lagerhalle für Restholz und Grünmüll überspielt werden.

Kohlendioxidbilanz eines Landwirtschaftsbetriebs in Söchtenau

Erzeugung von Kohlendioxid: Es werden 9,6 t Fossile Brennstoffe pro Jahr eingesetzt, dies entspricht einem Ausstoß von 30 t Kohlendioxid.

Konsum von Kohlendioxid: Der Betrieb besteht aus 20 ha Wald, 40 ha Grünland und 28 ha Mais und Getreide. Es weren somit 880 t pro Jahr Biomasse erzeugt und damit 1280 t Kohlendioxid gebunden. Als Kohlendioxidsenke kann zur Zeit nur  der Konsum durch Wald gerechnet werden, also 300 t. Kurzlebige Biomasse wie Gras, Mais oder Getreide ist nur dann zu rechnen, wenn sie etwa als Gülle in eine Biogasanlage eingespeist wird und damit Elektrischen Strom erzeugt. In diesem Fall würde Fossiler Brennstoff eingespart. Das Potential beträgt 980 t Kohlendioxid.

Die durch Wald aufgenommene Menge von 300 t Kohlendioxid minus 30 t Erzeugung müsste bei einem Zertikatspreis von 40 € mit 10.800 € vergütet werden.

Kohlendioxidbilanz eines Einfamilienhauses in Söchtenau

Erzeugung von Kohlendioxid: Es werden 4,5 t pro Jahr Heizöl, Benzin und Diesel verbraucht; das entspricht einem Ausstoß von 14 t Kohlendioxid.

Konsum von Kohlendioxid: Auf 500 Quadratmeter Grünfläche werden 0,5 t konsumiert. Es handelt sich aber zu 90% um kurzlebige Biomasse und zu 10% um Baumbestand, sodass nur 0,05 t angesetzt werden können.
Für 13,95 t Kohlendioxid müssen 560 €/ Jahr bezahlt werden.


Rechenwege zu Kohlendioxid, Biomasse, Klima

1. Kohlendioxid-Bilanz
x = Verbrauch von Fossilen Brennstoffen in Tonnen
y = Grünfläche in Hektar (Wald, Energiepflanzen)
z = Preis für ein Zertifikat (z. Zeit: 40€ / Tonne Kohlendioxid)

Saldo Erzeugung minus Konsum: 3,14 x  minus 15 y
wenn Saldo positiv: Kauf von Zertifikaten
wenn Saldo negativ. Zuteilung von Zertifikaten
Die Verbrennung von 5 Tonnen Fossilen Brennstoffen werden durch die Photosynthese in einem Hektar Wald neutralisiert.

2. Atmosphäre
Gehalt an Kohlendioxid: 2760 Gt (Gigatonnen, (= 1 Milliarde Tonnen)
Konzentration von Kohlendioxid: 400 ppm (= millionstel)
1 ppm Kohlendioxid = 6,8 Gt

3. Temperatureffekt (seit 1900)
1 ppm Kohlendioxid (= 6,8 Gt) verändert die Temperatur der Lufthülle um 0,0067°C, 1 Gt Kohlendioxid um 0,00098°C.
Für 1°C Temperaturerhöhung müssen 1020 Gt Kohlendioxid in Lufthülle eingetragen und der Gesamtgehalt damit auf 3800 Gt erhöht (= 556 ppm) werden.

4. Photosynthese
1 ha Grünfläche konsumiert in den gemäßigten Breiten pro Jahr 15 t Kohlendioxid unter Bildung von 10 t Biomasse. 1 Gt Kohlendioxid werden somit von 6000 Quadratkilometer Grünfläche gebunden. Im Weltdurchschnitt gelten die doppelten Werte für den spezifischen Konsum.



Zusammenfassung und Ausblick

Wichtig erscheint, dass der Eintrag von Kohlendioxid in die Lufthülle und die Entfernung von Kohlendioxid aus der Lufthülle komplementär behandelt werden. Wenn der Eintrag mit einer Steuer oder mit dem Kauf von Zertifikaten belastet wird, dann muss die Entfernung aus der Lufthülle mit einer Vergütung oder mit der Übertragung von Zertifikaten entlastet werden. Diese  Sichtweise hat sich noch nicht durchgesetzt. Sie ist aber ein wichtiges Element für den Erfolg von zukünftigen Maßnahmen. Eine Vergütung des Konsums von Kohlendioxid verkürzt die Kapitalrückflußzeiten von Investitionen (z.B. Biogasanlagen und mit Restholz betriebene Blockheizwerke) und setzt damit Anreize für ihre Durchführung. Im 170 Seiten starken Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung kommt der Gedanke, dass die Vermeidung von einer Tonne Kohlendioxid und der Konsum von einer Tonne Kohlendioxid gleichen Effekt haben, nicht vor.

Zyklus Fossile Brennstoffe und Biomasse: Weltweit werden jährlich 11 Gigatonnen Fossile Brennstoffe gefördert. Bei deren Verbrennung werden 35 Gigatonnen Kohlendioxid erzeugt. Durch Photosynthese entstehen daraus 24 Gigatonnen Biomasse: etwa 12 Gigatonnen Wald (langlebig) und 12 Gigatonnen kurzlebige Biomasse (Gras und Sträucher). Diese kurzlebige Biomasse muss bei der Verbrennung Fossile Brennstoffe ersetzen unter Erzeugung von Strom, Bewegungsenergie, Heizung. Dabei werden 6 Gigatonnen Fossile Brennstoffe eingespart. In den nächsten Zyklus gehen also nur noch 5 Gigatonnen Fossile Brennstoffe ein, Diese Menge reduziert sich wiederum im übernächsten und mit jedem weiteren Zyklus.

Es erscheint einfacher, diese Zyklen auf den Weg zu bringen als Millionen von Verbrennungsmotoren zu ersetzen, existierende Kohle-, Öl-, Gaskraftwerke außer Betrieb zunehmen und den Flugverkehr einzuschränken.
Wichtig ist dabei, dass möglichst viel Kohlendioxid zu Biomasse verwandelt wird. Das bestehende Potential kann erhöht werden, wenn Brachflächen außerhalb Deutschlands gepachtet und aufgeforstet werden. Der Konsum von Kohlendioxid kann Deutschland zugerechnet werden. Ferner kann man durch Begrünung der Hausdächer in Deutschland eine zusätzliche Senke für Kohlendioxid schaffen. Erste Projekte werden schon angestoßen: www.f6s.com/projectLF1.
 

Es werden noch andere Kohlendioxidsenken erwogen, auch kuriose: 1,9 Milliarden Menschen auf der Erde sind übergewichtig. 140 Gigatonnen Lebensmittel könnten bei richtiger Ernährung pro Jahr eingespart werden, das entspricht 200 Gigatonnen Kohlendioxid, sechsmal mehr als durch Verbrennung von Kohle, Öl, Gas erzeugt werden.

 Es ist möglich, dass das Klimathema in einigen Jahren an Brisanz verliert, da sich ergriffene Maßnahmen auswirken und der Temperaturanstieg der Lufthülle zum Stillstand kommt oder gar ein Temperaturrückgang eintritt oder dass eine Zunahme der Kohlendioxidkonzentration in der Lufthülle keinen Temperaturanstieg mehr bewirkt, da die Strahlenabsorption bereits gesättigt ist. Auch  ist es möglich, dass andere Themen in den Vordergrund treten (z. B.: Migration).